© Florian Spring

Der Schulterschluss von Planenden und Herstellern im seriellen Bauen wird in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren zunehmend perfektioniert. Für Bauherren liest sich die Liste von Vorteilen wie ein Erfolgsrezept:

• Kostensicherheit und -effizienz
• Bauzeitminimierung
• weniger Ressourcenverbrauch und Abfall
• Nutzungsflexibilität durch nachträgliche Anpassung und Reparierbarkeit von Gebäuden

Ein Material gewinnt im Kontext vorgefertigter Bauweisen in den letzten Jahren am meisten Beachtung, und das ist der Holzbau. Hier lässt sich die Liste um einige Punkte verlängern:

• CO2-Reduktion durch einen nachwachsenden Rohstoff
• hoher Vorfertigungsgrad
• geringes Gewicht bei hoher Tragfähigkeit der Konstruktion
• Kreislauffähigkeit durch möglichen Rückbau und sortenreine Trennung
• erleichterte Genehmigungen etwa beim Brandschutz durch standardisierte Produktion und somit auch der
• Einsatz in höheren Gebäudeklassen

Nicht zuletzt eignet sich das Material für den Bestandsbau, sei es für Erweiterungen, bei der seriellen Sanierung oder etwa bei Aufstockungen als behutsame Nachverdichtung im urbanen Raum.

Bausysteme

Vom Bauteil bis zum Wohnmodul: Vorgefertigte, elementierte Bauweisen gelten als probates Mittel, um die Hürden der letzten Jahre in der Baubranche zu überwinden: Knappe Ressourcen, Fachkräftemangel und Teuerung von Material gelten nach wie vor als stärkste Bremsen bei der Erreichung von Zielzahlen und Neugenerierung von Raum.

Die seit dem frühen 20. Jahrhundert aufgekommene Praxis, Architektur im industriellen Maßstab zu denken, hat längst das negative Image von Plattenbauten und Containerstapel überwunden. Denn genau das Gegenteil ist der Fall. Im Werk vorgefertigte Elemente sind keine Massenware, sondern individuell konzipierte Systeme, die vorausschauend geplant, intelligent gefügt und gestalterisch vielfältig, in einem digitalen Prozess von der Idee bis zur Wiederverwendung gedacht sind.

Expertise im vorgefertigten Holzbau

Die frühe Auseinandersetzung mit effizienten und nachhaltigen Baumethoden, die Nähe zum Handwerk und die Expertise im Holzbau fügen sich bei Dietrich Untertrifaller zu einem wertvollen Erfahrungsschatz zusammen. Mit präfabrizierten Holz- oder Holzverbundelementen zu bauen, ist inzwischen die Basis für zahlreiche Bauaufgaben. Unterstützt von digitalen Werkzeugen und mithilfe eines Netzwerks aus etablierten Holz- und Systembauunternehmen entstanden bereits früh Projekte mit Vorbildcharakter.

Dazu gehören etwa ein Schulneubau und eine Mehrzweckhalle, die im Abstand von rund zehn Jahren in der Vorarlberger Gemeinde Klaus entstanden sind. Die Schule wurde 2002-2003 errichtet und war für ihre Zeit ein Pionier. Zum einen erreichte sie als erstes Schulhaus Österreichs den Passivhausstandard, zum anderen war der Holzbau in dieser Typologie noch rar. Die Konstruktion aus vorgefertigten Hohlkastenelementen in Kombination mit Stahlbetonkernen trug zu einer kompakten Planungs- und Bauzeit von insgesamt nur 18 Monaten bei.

Die in den Jahren 2013-2014 ergänzte Mehrzweckhalle vervollständigt das Ensemble und fügt ihm ein vielseitiges Raumprogramm hinzu. Auch hier ist bis auf den Kern und die Basis eine Holzkonstruktion aus Brettschichtholzträgern maßgeblich. Besonders sticht die Decke der Turnhalle hervor, die als Kassetten aus 56 Pyramidenschächten mit unterschiedlich ausgerichteten Oberlichtern entstanden ist. Die im Werk vorfabrizierte Konstruktion schafft es, mit einfachen Standardelementen sowohl Funktion als auch gestalterische Ausdruckskraft zu verbinden.

Schule (unten) und Deckenkonstruktion der Mehrzweckhalle in Klaus
Fotos: David Matthiessen und Bruno Klomfar

Vielfach ausgezeichnet ist auch eine Schulerweiterung in Wien-Mauer, wo ein denkmalgeschütztes Bestandsgebäude um einen kontrastreichen Anbau aus vorgefertigten Holzelementen ergänzt wurde.
Foto: Kurt Hörbst

Dass sich die Leichtbauweise aus Holz auch für ein verdichtetes urbanes Umfeld eignet, zeigt sich etwa in der Aufstockung eines historischen Fabrikgebäudes in der Flachgasse in Wien. Die Funktionserweiterung um eine Wohnnutzung entstand bereits 2007. Enge Bauplätze sind dabei ein weiteres Argument für Präfabrikation und verkürzte Montage vor Ort.
Foto: Bruno Klomfar
Das modulare Raster aus Holzskelett und Betonfertigteildecken im Projekt B.R.I.O. Neues Landgut in Wien, Geplante Fertigstellung ist Anfang 2026; Axonometrie aus dem Wettbewerb: PLOV Architekten

Modulares Raster und vorgefertigte Fassade für ein Wohnungsbauprojekt in Wien

Baustelle mit Montage der elementierten Fassade
Foto: EMILBLAU / Martin Geyer
Mock-up während der Bauphase
Foto: Michael Porath / Dietrich Untertrifaller

In einem weit größeren Maßstab repräsentiert ein aktuelles Wohnbauprojekt in Wien die Vorzüge der Elementbauweise. Der Komplex namens B.R.I.O. Neues Landgut im gleichnamigen Entwicklungsgebiet südlich des Hauptbahnhofs zeigt, wie eine komplexe Grundform modular gelöst werden kann. Das gemeinsam mit PLOV Architekten geplante Ensemble umfasst 174 geförderte Wohnungen und Gewerbe, eine Kita sowie Räume für das Umweltamt. Rund 15.500 Quadratmeter Nutzfläche verteilen sich auf langgestreckte Gebäude mit unterschiedlicher Höhenentwicklung und jeweils polygonaler Grundfläche.

Ausgeführt ist das Projekt in Holz-Beton-Hybrid-Bauweise auf einem massiven Sockel. „Ein reiner Holzbau wäre vor dem Hintergrund des wirtschaftlichen Preisdrucks unrealistisch gewesen“, erklärt Projektleiter Michael Porath. Das Planungsteam hätte in Folge versucht, über einen hohen Wiederholungsgrad, also in Elementbauweise, die Wirtschaftlichkeit zu erzielen. Obwohl der unregelmäßige Zuschnitt für ein sich wiederholendes System eher ungeeignet ist, ließ sich der Ansatz dennoch pragmatisch umsetzen. Hierfür entstand ein Raster aus Brettschichtholz-Stützen, die im Abstand von 3,2 Meter x 3,2 Meter angeordnet sind. Das Skelett erlaubt individuelle Grundrissstrukturen mit teils durchgesteckten Maisonette-Wohnungen sowie spätere Neukonfigurierungen der Wohnmodule. Neben wenigen aussteifenden Wänden und den Erschließungskernen aus Stahlbeton, sind die Decken aus schlanken Betonfertigteilen sowie die Holzstützen und Holzriegelwände samt Anschlussdorne jeweils vorgefertigt. Werkseitig wurden letztere mit einer Mineralwolldämmung und Gipskartonplatten beplankt. Ganze Fassadenelemente samt Fenster und Holzverschalung konnten im Werk vormontiert und auf der Baustelle passgenau gefügt werden. Die Systembauweise erforderte die frühzeitige Einbindung des ausführenden Unternehmens Rubner Holzbau, das neben der Vorfertigung der Elemente auch den Transport zur Baustelle übernahm.

Stützen im Raster (oben) und gestaffelte Fassadenelemente (rechts) für das Projekt B.R.I.O. im Stadtteil Neues Landgut südwestlich des Hauptbahnhofs in Wien; Fotos: EMILBLAU / Martin Geyer

Serieller Holzbau – Aktuelle Projekte in Planung

Holzmodule mit Außenwänden in Holzrahmenbauweise entstehen auch für einen Neubau des Heeresmusikkorps in Ulm
Akustisch wirksame Wand- und Deckenbekleidungen aus Holz im Musikprobehaus; Visualisierungen links und oben: Dietrich Untertrifaller
Rückbaubarer Holz-Hybrid in Schönberg, Bayerischer Wald; Visualisierung: Dietrich Untertrifaller

Kreislauffähige Verbunddecken-Elemente

Eine beispielhafte Kooperation zeigt sich auch im Fall einer kürzlich fertiggestellten Produktionsstätte im niederbayerischen Schönberg. Hier agierte der Elementhersteller Brüninghoff auch als Generalübernehmer. Für die Firma Sesotec entstand so ein Komplex aus einer dreigeteilten Hallenkonstruktion sowie einem zweigeschossigen Bürotrakt aus Holz. Letzterer ist mit einem vorgefertigten Bausystem realisiert, in dem eine kreislauffähige Holz-Beton-Verbunddecke des Herstellers zum Einsatz kam. Trotz herausfordernder Topografie und unterschiedlicher Raumanforderungen entstand ein hochgradig vorfabriziertes Konzept, das sich aus dem Holz-Hybridbau für die Verwaltung sowie der weit spannenden Hallenkonstruktion aus Betonfertigteilen mit Spannbetonbindern zusammensetzt.

Modellprojekt für den Hamburger Bildungsbau

Letztlich zeigt sich anhand des geplanten Neubaus für die Norddeutsche Akademie für Finanzen und Steuerrecht in Hamburg, wie weitsichtig serielle Planung und Bauweisen sein können. In diesem Fall entwickelt Dietrich Untertrifaller das modulare Baukastensystem, das künftig als Modellprojekt für Bildungsbauten der Stadt Hamburg agiert. Das System kombiniert nur acht Bauteiltypen, die sich aus Decken, Stützen und Fassadenelementen jeweils aus Holz, Beton oder im Verbund zusammensetzt. Der Baukasten umfasst Elemente, aber vor allem auch Verbindungen und Anschlüsse, mit denen individuell konfigurierbare, nachträglich adaptierbare sowie rückbaufähige und kreislaufgerechte Gebäude aus wiederverwendbaren Bauteilen entstehen. Der digitale Planungsprozess, der lückenlos bis in die Fertigung reicht, erlaubt es, die Systemebauteile herstellerneutral vorfertigen zu lassen.

Die Norddeutsche Akademie für Finanzen und Steuerrecht (NoA) in Hamburg; Grafik und Visualisierungen: Dietrich Untertrifaller

Mit jedem Projekt zeigt sich dabei die Vielfalt der seriellen Bauweisen, über so viele Standorte, Typologien und mittlerweile auch Jahrzehnte hinweg.

Text: Sabina Strambu, November 2025

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