B.R.I.O. Neues Landgut, Wien (AT)
Neubau,
Geförderter Wohnbau,
Holzbau,
Zirkuläres Bauen
Auftraggeberin: Österreichisches Siedlungswerk Gemeinnützige Wohnungs AG
Standort: 1100 Wien, Neues Landgut, Bauplatz D12
Architektur: Dietrich Untertrifaller, PLOV Architekten
Wettbewerb: 2021, 1. Preis
Bauzeit: 2022 – 2026
Nutzfläche: 16.000 m²
Programm: 176 geförderte Wohnungen (davon 88 SMART-Wohnungen), Kindergarten, Büros, Gewerbe
Fotos: EMILBLAU / Martin Geyer
Pläne: Dietrich Untertrifaller
Team
Marcel Janisch, Katharina Makoru, Mona Nad (Projektleitung), Michael Porath, Nikolaus Skorpik, Michael Sohm, Philipp Unger
Fachplanung
Statik, Bauphysik und Energiekonzept: RWT Plus, Wien
Bauunternehmung: PORR Group
Holzbau und Vorfertigung: Rubner Holzbau, Obergrafendorf
Betonfertigteilelemente: Oberndorfer, Gunskirchen
Landschaft: simzim – Simma Zimmermann Landschaftsarchitektinnen, Wien
Soziale Nachhaltigkeit: art:phalanx, Wien
Mobilitätskonzept: Rosinak&Partner, Wien
Kunst am Bau: Golif, Wien
Bunt.Robust.Innovativ.Offen
Südwestlich des Wiener Hauptbahnhofs wird das gemischt genutzte Quartier „Neues Landgut“ auf einem 9 Hektar großen Areal entwickelt. Insgesamt entstehen 1.500 Wohnungen und ein Bildungscampus, Büros, Raum für Gewerbe und Grünflächen mit hoher Aufenthaltsqualität.
Unter dem Projektnamen B.R.I.O., einem Akronym für “bunt, robust, innovativ und offen”, haben wir gemeinsam mit PLOV Architekten im Auftrag der ÖSW ein sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltiges Projekt mit 176 geförderten Wohnungen in Holz-Systembauweise errichtet. Der differenzierte Wohnungsmix umfasst 88 Smart-Wohnungen, Familienwohnungen und Einheiten mit WG-tauglichen Grundrissen. Ein Schwerpunkt liegt auf den besonderen Bedürfnissen von Alleinerziehenden.
Das Gebäudeensemble ist als elementierter Holz-Hybridbau und dadurch im Rahmen der wirtschaftlichen Vorgaben so effizient und nachhaltig wie möglich ausgeführt. Der zweigeschossige Sockel in Massivbauweise beherbergt die gewerbliche und soziale Nutzung. Darüber verteilen sich die Wohngeschosse, die als vorgefertigter Holzbau einem optimierten Stützenraster folgen. Die Decken aus Betonfertigteilen weisen mit nur 16 Zentimetern sehr geringe Stärken auf. Gemeinsam mit der Holzkonstruktion zeugt dies von einem ökonomischen und ökologisch verträglichen Materialeinsatz. Das Projekt zeigt außerdem auf, wie trotz eines komplexen Grundstückzuschnitts Gebäude modular und raumeffizient ausgeführt werden können.
Vielseitiges Wohnmodul
Rund 16.000 Quadratmeter Nutzfläche verteilen sich auf die langgestreckten Gebäude mit unterschiedlicher Höhenentwicklung und jeweils polygonaler Grundfläche. Das B.R.I.O.-Wohnmodul ermöglicht eine flexible Grundrissgestaltung und eine einfache Adaptierung für unterschiedliche Anforderungen – von kleinen 1,5-Zimmer Apartments, über 2-, 3- und 4-Zimmerwohnungen bis hin zu durchgesteckten, zweigeschossigen Maisonettewohnungen wird ein breites Spektrum für kleine und größere Familien angeboten. Bodentiefe Verglasungen sowie vorgelagerte Loggien und Balkone erweitern den Wohnraum nach außen.
Die Begrünung der zweigeschossigen Sockelfassade und Dachflächen, versickerungsfähige Untergründe und ein Low-Tech Heiz- und Kühlkonzept tragen zu einem überdurchschnittlich klimagerechten Projekt bei. Durch die elementierte Bauweise wird das Bauensemble einem zirkulären Architekturansatz gerecht. Es berücksichtigt ökologische Prämissen über den gesamten Lebenszyklus: von der Errichtung über den Betrieb bis zu einem späteren Rückbau und einer möglichen Wiederverwendung der Elemente.
Soziale und ökologische Nutzung
Der Mix aus geförderten und besonders geförderten Wohnungen mit Mieten von maximal 7,50 Euro pro Quadratmeter sowie die breit gefächerten Wohnungstypen sorgen für eine gute soziale Durchmischung. Zahlreiche Gemeinschaftsräume und günstig als Studio oder Homeoffice mietbare Mikroräume ergänzen das Wohnungsangebot. Alleinerziehende finden passende, in das Wohnumfeld eingebundene Unterstützungsangebote vor. So liegt der Kinderspielraum im Erdgeschoss direkt neben dem Waschsalon mit Coworking Space, hinzu kommen Programme zur Kinderbetreuung und Lernhilfe.
Gemeinschaftsküchen und -tafeln neben den Dachterrassen fördern die nachbarschaftliche Begegnung. Ein Standort der Volkshilfe mit Hausbetreuung und ein Reparaturcafé ergänzen das Quartiersangebot.
Intensiv begrünte Flächen, darunter der Innenhof bis hin zu den Dachgärten, sorgen gemeinsam mit der erdgebundenen Fassadenbegrünung für einen rundum belebten und naturnahen Quartiersbaustein. Die Dachgärten werden zum Park.
Dort erlauben hohe Substratschichten auch die Pflanzung tiefer wurzelnder Bäume, wodurch Verschattung, saubere Luft und Schallschutz zu den nahegelegenen Gleisanlagen generiert werden. Bahnseitig bildet das Gebäudeensemble einen baulichen Rücken mit Schallschutzverglasung und vorgelagerten Loggien.
Ausgedehnte Freiflächen und gemeinschaftlich nutzbare Innenräume bieten zahlreiche Möglichkeiten zu Spiel, Sport und Bewegung sowie zu informellen Treffen der Bewohner:innen und darüber hinaus. Das im Gewerbeteil einziehende Umweltamt stellt eine Schnittstelle zur Stadtbewohnerschaft her und schafft einen wertvollen Beitrag zur Bildung, Förderung, Beratung und zum Austausch rund um die Themen Umwelt, Biodiversität und Ökologie.
Fassadengestaltung und Kunst am Bau
Im Projekt B.R.I.O. stehen die Menschen und ihre natürliche Umgebung im Mittelpunkt. Nach außen präsentiert sich das Projekt mit einer abwechslungsreichen Kubatur, unterschiedlicher Höhenentwicklung und gestaffelten Außenwänden, die den modularen Ansatz abbilden. Oberhalb des Sockels aus Betonfertigteilen ist der konstruktive Holzhybridbau innenräumlich durch Brettschichtholzstützen mit vorgefertigten Betonfertigteildecken und äußerlich von Holzfassaden mit horizontaler Lattung gekennzeichnet.
Zur Gestaltung tragen identitätsstiftende Werke des Wiener Künstlers Golif bei. 40 Wandapplikationen in Schwarzweiß zeigen an unterschiedlichen Stellen der Holzfassade großformatige Figuren. Am Stahlbetonkern sind diese als Graffiti mit bunten Hintergründen gesprayt. Die Gesichter und Merkmale bilden die Vielfalt der Bewohnerschaft und Stadtumgebung ab, für die das Projekt B.R.I.O. einen integrativen, offenen und menschenzentrierten Rahmen schafft.
Impressionen von der Baustelle
Fotos: EMILBLAU / Martin Geyer
Pläne: Dietrich Untertrifaller