Migrationsräume

Ein Dialog zwischen Migration und multikulturellen Räumen

Noch nie war die Zahl der Menschen, die aus ihrer Heimat flüchten mussten, so hoch wie heute. Diese Flucht hat viele Gründe: Perspektivlosigkeit und Armut, Ethnie und Religion, Gewalt und Krieg, Diskriminierung und Verfolgung, Klimawandel und Umweltzerstörung.

Laut dem aktuellen Global Trends Report vom UNHCR waren Ende 2023 weltweit 117,3 Millionen Menschen auf der Flucht – und somit 8,8 Millionen Menschen (oder 8 Prozent) mehr als noch Ende 2022.

© Borders - Marta Monteiro

Die Flucht

Diese Menschen ließen vergangenes Jahr alles zurück und suchten nach einem neuen Ort, der ihnen Sicherheit und Schutz bietet. Doch wie vielen gelingt es wirklich in einem völlig fremden Land, oftmals ohne Freunde und Familie, umgeben von fremden Kulturen und Lebensstrukturen anzukommen und sich dort heimisch zu fühlen?

Die soziale und räumliche Integration, betrachtet am Beispiel der Stadt Wien, wo knapp die Hälfte der Bevölkerung einen Migrationshintergrund hat, stellt seit Jahren eine große Herausforderung ohne zufriedenstellende Lösung dar.

Ob wir uns unserem Wohnort zugehörig fühlen, ist eng mit der Frage verbunden, welche Möglichkeiten wir dort vorfinden. Nur weil sich die an einem Ort Heimischen in den Angeboten auf dem Wohnungsmarkt wiederfinden, bedeutet das nicht, dass das auch jene tun, die auf ihrer Flucht an einem Ort gelandet sind, in dem sie die Hoffnung auf ein neues Zuhause sehen.

"Wenn die Minderheit

von der Mehrheit akzeptiert wird,

kann im Gegenzug die Mehrheit

von der Minderheit profitieren."

Hannah Landsmann
Kulturvermittlerin am Jüdischen Museum Wien

Lebenskonzepte

Es bedarf einer Adaptierung der gängigen Lebenskonzepte: Wie können wir die räumlichen Bedürfnisse anderer Kulturen in die architektonische Stadtentwicklung integrieren und einen neuen Lebensraum schaffen, der durch besondere Bausteine multikulturelle Bedürfnisse vereint, das Miteinander unterschiedlichster Bevölkerungsgruppen stärkt und kulturelle Minderheiten einbindet?

Unsere Vision von „Typ M“ steht für all diese notwendigen, integrativen Schritte und darüber hinaus für so vieles mehr: Multikulturell, Möglichkeit, Mehrwert, Mischung, etc. Basierend auf dem Milieu-Konzept dürfen Migrant:innen ebenso wenig wie kulturell Heimische nicht als homogene Gruppe angesehen werden. Sie sollten vielmehr in Werte, Lebensstile und ihre soziale Lage gegliedert werden.

Neue Nachfragegruppe am Wohnungsmarkt

So entstehen fließende Grenzen zwischen unterschiedlichen Milieus, die große Berührungspunkte und Überlappungspotenziale aufweisen. Die Herkunftskultur prägt zwar die Identität maßgeblich, aber sie determiniert nicht den grundlegenden Wertemix.

Durch die Anerkennung von Migrant:innen als neue Nachfragegruppe am Wohnungsmarkt, durch die Integration interkultureller Strukturen und durch die flexible Konzipierung der Bausteine lässt sich ein zukunftsorientierter und nachhaltiger Lebensraum schaffen. Ein Lebensraum, der in seiner Funktion auf das aktuelle Weltgeschehen reagiert und sich wie selbstverständlich in das bestehende Habitat eingliedert und sich mit diesem durchmischt.

Das Ziel

Unser Forschungslabor beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern sich der konzeptionelle Ansatz des Wohnungsmarktes und der gängigen Lebenskonzepte verändern muss, damit sich auch nicht Heimische zugehörig fühlen. Hierzu werden die räumlichen Bedürfnisse anderer Kulturen analysiert und eine Vision („Typ M“) geschaffen, die all diese notwendigen, integrativen Schritte vereint und in die architektonische Stadtentwicklung integriert.

Mehr Information: F-LAB 10 I Forschungslabor 10
Team: Vera Kuisl, Barbora Köver Tothova, Franca Bierich
Projektleitung: Maria Megina, Dominik Philipp
Projektzeitraum: Teil 1 22.06.2022 - 28.09.2023

Lebensraum für alle

Wenn es ums Wohnen geht, werden die Grundbedürfnisse einer Gesellschaft berührt. Und dazu gehört ein leistbarer und qualitativer Wohnraum genauso wie ein öffentlicher Raum. Es ist somit die Pflicht von uns allen, dafür Sorge zu tragen, dass jeder Mensch – unabhängig von seiner finanziellen Lage – sein Recht auf einen guten Lebensraum bekommt. Dafür braucht es in erster Linie Vielfalt auf unterschiedlichsten Ebenen – am besten durch die staatliche Hand gefördert. Denn die Zeit der reinen Wohnbauten ist vorbei. Wir stricken unsere Stadt in Quartieren. Und wir entwickeln eine Vielfalt an Lebensräumen, in deren Mittelpunkt der Mensch steht.

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Von der sozialen Verantwortung und warum wir Kommunikationsorte brauchen

Haben wir als Architekturschaffende eigentlich eine soziale Verantwortung? Und nehmen wir sie wahr? Wenn wir uns mit einer Bauaufgabe beschäftigen, sind wir zunächst mit dem "Wie?“ konfrontiert: Wie schaffe ich es, eine gewisse Anzahl von Menschen in einem vorgegebenen Raum unterzubringen? Bei dieser Frage handeln wir weder ethisch noch kommen wir einer gesellschaftlichen Verantwortung nach. Erst bei den Fragen "Für wen?“ "Was können wir verändern?“ nehmen wir die Perspektive der Nutzer:innen ein und denken über moralische Prinzipien nach.

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Kuku 23 Gastgebgasse, Wien (AT)
Neubau, Geförderter Wohnbau

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Wood’Art – La Canopée, Toulouse (FR)
Neubau, Holzbau,

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Quartier Metzgergrün, Freiburg (DE)
Neubau, Geförderter Wohnbau, Quartiersentwicklung, Holzbau

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