WO.NA – Wohnquartier Wohntraum Fürstenried, München (DE)
Quartiersentwicklung, Geförderter Wohnbau, Holzbau, Neubau

Auftraggeberin: Wohnungsgenossenschaft München-West eG
Verfahrensleitung: Dragomir Stadtplanung GmbH
Architektur: Dietrich Untertrifaller
Landschaftsarchitektur: Ursula Hochrein – lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh
Mehrfachbeauftragung: 2025, 1. Rang
Programm: Neubau von ca. 440 Wohneinheiten, KiTa und wohnungsnahes Kleingewerbe

Visualisierungen und Pläne: Dietrich Untertrifaller

Team: Fredi Botz, Carolin Meyer, Moritz Schineis, Annika Steinberger, Carlos Meza, Michael Sohm, Christian Porath, Larissa Stützle

Weiterentwicklung eines genossenschaftlichen Quartiers

Rund um eine bestehende Wohnanlage im Stadtteil Fürstenried strebt die 1911 gegründete Wohnungsgenossenschaft München-West eine nachhaltige und zeitgemäße Quartiersentwicklung an. Im Zuge einer Mehrfachbeauftragung für ein städtebauliches und freiraumplanerisches Konzept konnte unser Entwurf weitreichend überzeugen. Dabei zielt unsere gemeinsam mit lohrer hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner erarbeitete Idee auf die Stärkung der gemeinschaftlichen Werte, die der Genossenschaft zugrunde liegen, sowie auf kreislaufgerechte Bauweisen mit großer Rücksicht auf den bestehenden Naturraum.

Auf dem rund 2 Hektar großen Areal, das sich zwischen der Forstenrieder Allee, Schaffhauser und Winterthurer Straße im Südwesten der Landeshauptstadt aufspannt, bilden vier langgestreckte Zeilenbauten aus den 1960er Jahren sowie zwei im Jahr 2019 ergänzte Punktbauten den derzeitigen Bestand. Um den Wohnraumbedarf ihrer Mitglieder zu decken und ihr Angebot generationen- und zukunftsgerecht weiterzuentwickeln, will die Genossenschaft das Quartier neu denken. Eine klassische Nachverdichtung, etwa durch Aufstockung, ist aufgrund konstruktiver Mängel und schadstoffbelasteter Bausubstanz der Zeilenbauten nicht möglich. Die geplante Neubebauung in mehreren Bauabschnitten soll das Angebot von 240 auf rund 440 Wohneinheiten erweitern und ein vielfältiges, lebenswertes Quartier schaffen, das Nachhaltigkeit, Gemeinschaft und Nachbarschaft fördert.

Vielfältig aktivierte Zwischenräume

Unser Vorschlag folgt der Grundidee und dem Fußabdruck der bestehenden Zeilenbebauung, um den wertvollen Baumbestand auf dem Areal und die Grünraumqualitäten bestmöglich zu erhalten. Gleichzeitig löst der Entwurf die geschlossenen Strukturen auf und schafft eine feinere Parzellierung, die neue Durchwegungen erlaubt sowie Frei- und Zwischenräume deutlich aktiviert. Dabei entstehen Orte der Gemeinschaft.

Sieben kompakte Riegelbauten mit bis zu sieben Geschossen verteilen sich auf dem Gelände und werden von einem Hochpunkt als neuer Quartierseingang im Osten ergänzt. Die Erdgeschosse fungieren als offene Schnittstellen zur Nachbarschaft und bieten vielfältige, alltagsnahe Nutzungen von nachbarschaftsorientiertem Kleingewerbe mit Café über Gästeappartements, eine KiTa und Gemeinschaftsräume bis hin zu hybriden Flächen wie gemeinschaftliche Waschküchen, die zugleich als Co-Working-Arbeitsplätze genutzt werden können. Eine Mobilitätsstation und Fahrradwerkstatt, der integrierte Nachbarschaftspavillon mit Küche sowie Begegnungs- und Aufenthaltsbereiche im Freien stärken die Zwischenräume und fördern ein Quartier der kurzen Wege – mit viel Raum für Austausch, Gemeinschaft und Aktivität.

WO.NA steht für „Wohnen in Nachbarschaft“. Der Projektname betont die Gemeinschaft, die Vielfalt und das Prinzip der kurzen Wege als Fundament eines vernetzten, urbanen Quartiers.

Modulare und kreislaufgerechte Bauweisen

Gemäß unserer Überzeugung, die Auswirkungen des Bauens auf die natürliche Umwelt geringstmöglich zu halten und Architektur weitsichtig und verantwortungsvoll zu gestalten, ist für die Neubauten ein modularer Holzbau vorgesehen. Bauteile und Materialien sollen rückbaubar gefügt und dem Kreislauf wieder zugeführt werden können. Durch serielle Bauweise mit vorgefertigten Holzrahmenelementen für einen Großteil der Konstruktion lassen sich die einzelnen Bauabschnitte zeit-, kosten- und ressourceneffizient sowie mit Rücksicht auf die bestehende Bewohnerschaft realisieren. Ein kleinteiliges Raster erlaubt nachträgliche Anpassung und wird den gewünschten, unterschiedlichen Wohnungsgrößen gerecht. Zwei Erschließungstypen vom Laubengang bis zum Spänner sowie rhythmisierende Einschnitte und heterogene Kubaturen orientieren sich am städtebaulichen Kontext sowie der jeweiligen Lage im Ensemble. Die Wohnriegel münden außerdem in gemeinschaftlich nutzbaren Dachgärten, die die streng geometrische Formgebung ihrerseits auflockern und das Quartier funktional bereichern.

Die Genossenschaft plant, zunächst den im Norden gelegenen, ersten Bauabschnitt nach Gebäudetyp E zu realisieren. Der alternative Planungsansatz erlaubt eine rechtssichere Abweichung von überzogenen Standards und fördert eine ressourcensparende und nachhaltige Architektur. Zudem soll durch die städtebauliche Setzung und das freiraumplanerische Konzept ein klimagerechtes Quartier entstehen, das dem Schwammstadtprinzip folgt, Biodiversität fördert, und städtische Frischluftschneisen schafft. Ein vielseitiges Mobilitätskonzept sowie nachhaltige Energielösungen mit Photovoltaikdächern als Ergänzung zur bestehenden Anbindung an das Fernwärmenetz bilden weitere Bausteine des zukunftsgerechten Quartiers.

KREA Wohnen, München (DE)
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