Universitätsbibliothek, Podgorica (MNE)
Neubau,
Holzbau
Auftraggeberin: Ministerium für Raumplanung, Städtebau und Staatseigentum
Konzept: Dietrich Untertrifaller
Wettbewerb: 2025, undotiert
Programm: Auditorium, Café, Ausstellungsräume, Forschungsbereiche, Lesesäle, Bücherarchiv, Technik und Anlieferung
Visualisierungen und Pläne: Dietrich Untertrifaller
Team: Much Untertrifaller, Mila Jeremić, Stefan Andrić, Boris Ivanović, Mona Nađ
Für die neue Universitätsbibliothek in der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica lobte das Ministerium für Raumplanung, Städtebau und Staatseigentum im Sommer 2025 einen internationalen Architekturwettbewerb aus. Dabei soll der Neubau neben modernen und ökologischen Standards auch eine große Programmvielfalt erfüllen, die Raum für Wissen, Geschichte, Kultur, Lernen, Forschung und Interaktion schafft.
In der Auslobung wurde die Wertschätzung des Kontextes und die Einbindung in den weiteren universitären Campus betont, dennoch sollte durch das Gebäude eine ausgeprägte visuelle Identität geschaffen werden. Unser Entwurfsvorschlag begegnete den Anforderungen durch eine dezent expressive Architektursprache, die sich von folkloristischen und ortsbezogenen Motiven inspirieren ließ.
Lokal inspirierte Elemente
Das am neuen Standort von Dietrich Untertrifaller in Belgrad frisch etablierte Team betreute den Wettbewerb, der die Chance für eine erste Positionierung in der Region bot. Dabei schafft der Entwurf eine Brücke zwischen Gestaltungselementen eines bereits vielfach prämierten Projekts des Büros und den spezifischen Anforderungen im lokalen Kontext. Das Fassadenkonzept geht auf den Inhalt ein und deutet Buchrücken in Form horizontal gereihter Keramikstäbe an. Bereits bei der realisierten Stadtbibliothek in Dornbirn kam das Motiv prominent zur Anwendung.
In Podgorica wird das Thema mit Einflüssen aus dem regionalen Handwerk verwoben. Die Bibliothek ist als ein Ort der Kontemplation gestaltet, an dem das Echo eines vielseitigen kulturellen Erbes zusammenkommt: Musik, Literatur, Geschichte und traditionelle Elemente wie Trachten oder lebendige Farben dienen etwa als Inspiration für das Innenraumkonzept und das Fassadenmuster.
Klar gegliederte Raumstruktur
Der Wettbewerbsbeitrag sieht einen Rundbau mit quaderförmiger Hülle vor. Die Form geht auf das ländliche Vorbild einer rundgeebneten Tenne, in der Landessprache Gumno, zurück. Dabei bauen die Funktionen von der Mitte ausgehend graduell auf, von öffentlich-interaktiv unten zu ruhig-kontemplativ oben. Auch städtebaulich spiegelt sich das wider. Dem Konzept liegt die Idee eines kulturellen Zentrums zugrunde, das sich nahtlos in den Campus integriert. So soll etwa die Erdgeschossebene über Merkmale wie Bodenmaterial, Struktur und Bespielung mit dem umgebenden Stadtraum verschmelzen.
Zentrale Position nimmt das Auditorium ein, um das sich Raum für Ausstellungen, Café, Foyer, Infrastruktur und die großzügige, umlaufende Erschließung bietet. Auch dadurch wiederum verweben sich das Campusleben mit der Bibliothek. Im Inneren dominieren Holz-, Natursteinoberflächen und viel Licht. Ein erhöhter Innenhof, der sogenannte Gumno Garden, schafft einen intimen Außenraum und maximiert den Lichteintrag. Fotosensible Exponate sind in den lichtabgewandten Zwischenräumen verortet. Die konzentrische Raumanordnung bringt Orientierung und eine klare Struktur in das multifunktionale Gebäude.
Filigrane Holzkonstruktion
Neben vier Kernen aus Stahlbeton ist die Konstruktion aus Holz allgegenwärtig. Eine Besonderheit stellt das äußere Fachwerk dar, dessen Streben oberhalb der Erdgeschossebene über die gesamte Höhe verlaufen. Die Brettsperrholzstützen fußen im Raster von 7 Metern, die Träger aus Brettschichtholz spannen von 5 bis 8,5 Meter weit. Gestützt wird das primäre Tragwerkskonzept von diagonal zu den aussteifenden Kernen verlaufenden Fachwerkelementen im 1. Obergeschoss.
Das markante Tragwerk wird durch die transluzente Hülle aus kleinteiligen, weißen Keramikstäben sichtbar. Lediglich das Erdgeschoss und die Ecken springen aus dem homogen umhüllten Volumen zurück. Die Bibliothek erhält so von außen einen hohen Wiedererkennungswert, während sich innen die vielfachen Funktionen in einer klaren und inspirierenden Umgebung wiederfinden.