Collège Simone-Veil, Lamballe (FR)
Neubau

Auftraggeber: Conseil Départemental des Côtes d’Armor
Standort: F-22400 Lamballe, Rue de Dahouet
Architektur: Dietrich Untertrifaller mit Colas Durand
Wettbewerb: 2015, 1. Preis
Bauzeit: 2016 – 2018
Fläche: 9.000 m² SU
Ökologie: Label Effinergie+
Programm: Ganztagesschule für 820 Schüler, 19 Stamm- , Sonder- und Fachklassen, Mehrzweckraum und Kantine

Fotos: Luc Boegly

Team
Ulrike Bale-Gabriel, Jörg Fend, Clemens Holzhuber, Christina Kimmerle (Projektleitung), Andreas Laimer, Josef Piroddi, Gordon Selbach

Text: Gerlinde Jüttner

Planungsbeteiligte
Statik Beton: Espace Ingénierie, Saint– Brieuc
Statik Holz: QSB, Lannion
Haustechnik, Bauphysik: Thalem Ingénierie, Bruz
Kosten: M2C, Lamballe
Akustik: Acoustibel, Chavanne
Holzbau: Renault menuiseries, Lamballe

Auszeichnungen

  • PAEB – Prix Architecture Espaces de Bretagne, Auszeichnung
  • Holzbaupreis Vorarlberg, Anerkennung
  • Wood Design & Building Award, Auszeichnung

Langer Holzquader auf geschwungenem Glasbogen

Das Collège in Lamballe ist für 800 Schüler:innen konzipiert und besteht aus zwei Gebäudeteilen: Ein langer, geradliniger Quader aus Holz ruht auf einem geschwungenen Betonsockel, der sich harmonisch in die Silhouette der sanften Hügelketten einfügt. Der weit gespannte Kreisbogen des komplett verglasten Sockels schirmt den Schulhof von der stark befahrenen Umfahrung Lamballes ab, definiert die Freiräume und öffnet sich zum Stadtzentrum.

Er umfasst die Eingangshalle, den überdachten Pausenhof, Räume für freies Arbeiten, einen Mehrzweckraum und das Schulrestaurant, dazwischen liegen Administration, Sanitäreinrichtungen und Garderoben. Der zweigeschossige Riegel aus Holz enthält die 19 Stamm-, Sonder- und Fachklassen. Viel Holz und ausgiebig Tageslicht sind die wichtigsten Ingredienzen der Schule, in der Inklusion einen hohen Stellenwert hat.

Die Unterrichtsräume in den beiden Obergeschossen bieten weite Blicke in die Umgebung und werden durch vertikal versetzte Lufträume und darüber gespannte Brücken zusammengebunden.

Jede französische Schule hat einen sogenannten "préau", einen überdachten Hofbereich, wo sich die Schüler:innen klassenweise versammeln, um mit ihren Lehrer:innen gemeinsam in die Unterrichtsräume zu gehen. In Lamballe liegt dieser im Kreisbogen unter dem darüber auskragenden Holzbau.

Erlebnisraum aus Galerien und Brücken

Das gebäudehohe, lichtdurchflutete Atrium kontrastiert die große Kompaktheit des Gebäudes. Trotz rigider Vorgaben waren uns großzügige, helle Zonen für Kommunikation und Aufenthalt wichtig. Die Galerien und Brücken fügen sich in der dreigeschossigen, zentralen Halle zu einem Erlebnisraum, allseitig von Tageslicht durchflutet.

Langlebige Materialwahl

Die Materialwahl respektiert die Umwelt ebenso wie die Forderung nach Langlebigkeit und niedrigen Erhaltungskosten. Beton im Erdgeschoss gewährleistet die nötige Robustheit, die Obergeschosse wurden aus Betonfertigteilen und Holz errichtet. An den Längsfassaden steuern vertikale und horizontale Holzelemente die Lichtversorgung und Beschattung.

Großzügig trotz Normierung

Das französische Bildungssystem unterscheidet sich von jenem in Deutschland und Österreich, und das drückt sich auch in den Schulgebäuden aus: Sicherheit und Kontrolle spielen eine große Rolle. Jeder Klassenraum hat zwei Eingänge, Toiletten befinden sich nur in der Nähe des Speisesaals. Es ist uns gelungen, das normierte Raumprogramm französischer Schulen strikt umzusetzen, ohne die räumliche Großzügigkeit einzuschränken.

Grundriss E0
Grundriss E1