Theater im Prater, Wien (AT)
Construction neuve,
Construction en bois,
Construction circulaire
Auftraggeber: ATG – Live GmbH, Wien
Standort: A-1020 Wien
Theaterarchitektur: Haworth Tompkins, London
Generalplanung und lokaler Partner Architektur: Dietrich Untertrifaller
Örtliche Bauaufsicht, Zertifizierung: Delta Pods Architects
Bauzeit: 2025 – 2027
Fläche: 12.647m² (Bruttogeschossfläche)
Programm: Musicaltheater mit Gastronomie und Reparaturwerkstätten
Visualisierungen: Haworth Tompkins und Dematerial
Team
Sarah Breidenbach, Elisabeth Graf (Projektleitung), Christina Kimmerle, Lukas Kral, Katharina Makoru, Johannes Paintner, Ilie Stanese
Fachplanung
Tragwerksplanung: Gmeiner Haferl Zivilingenieure ZT GmbH
Freiraumplanung: DnD Landschaftsplanung ZT GmbH
Projektmanagement und Finanzplanung: TURNER & TOWNSEND
Haustechnik, Nachhaltigkeit: Zentraplan Planungsges. m.b.H.; Sima consulting GmbH
Elektrotechnik: Eipeldauer und Partner GmbH
Thermische Bauphsyik, Brandschutz: B LAB ZT GmbH
Akustik: Müller BBM Industry Solutions GmbH
Bühnentechnik: Bühnenplanung Walter Kottke Ingenieure GmbH
Lichtplanung: Kardorff Ingenieure Lichtplanung GmbH
Kulturtechnik: 3P Geotechnik ZT GmbH
Kanalplanung: Zieritz + Partner ZT GmbH
Verkehrsplanung: Rosinak und Partner ZT GmbH
Inklusionsberatung: Motionspot Limited
Signaletik: Cin Cin Creative Studios
Der weltberühmte Wiener Prater erhält erstmals nach 100 Jahren wieder einen Theaterbau. Inmitten des bunten Treibens im Wurstelprater entsteht am nordöstlichen Eingang im Bereich des Kratky-Baschik-Wegs und des Zufahrtswegs ein neues Musicaltheater, das Platz für 1.800 Zuschauer:innen bieten wird.
Das prestigeträchtige Projekt soll neue Maßstäbe in der Theaterarchitektur setzen und entsteht nach Plänen einer internationalen Kooperation des Londoner Büros Haworth Tompkins gemeinsam mit den Wiener Architekt:innen von Dietrich Untertrifaller – DTFLR. Die rein privatwirtschaftlich finanzierte Kulturstätte realisiert das global agierende Unternehmen für Liveunterhaltung ATG Entertainment aus Köln.
Synergien in der Entwurfsfindung
In der Planung treffen die jahrzehntelange Erfahrung im Theaterbau mit mehr als 30 realisierten Spielstätten der britischen Kolleg:innen auf die regional verankerte und der Nachhaltigkeit verpflichteten Architekturexpertise von DTFLR, die ebenfalls Erfahrung mit besonderen Kulturprojekten unter anderem in Wien und Bregenz mitbringen. Das neue Musical-Spielhaus im Prater soll sich bewusst in den örtlichen Kontext einfügen, ihn passend ergänzen und größtmöglich bereichern.
Eine gläserne Fassade mit filigranen Stahlprofilen, die die Holzkonstruktion im Eingangsbereich sichtbar belässt, bildet das Gesicht der neuen Kulturinstitution. Der in markanter Wölbung ausformulierte Eingangsbereich lehnt dabei an die mäandernde Wegführung durch den Wurstelprater sowie an die runde Formgebung der allgegenwärtigen Fahrgeschäfte an, die den Wiener Vergnügungspark repräsentieren. Die lebendige, farbenfrohe Umgebung findet eine Entsprechung in der Fassadenbekleidung mit bunten Holzlamellen, die gleichzeitig einen passiven Sonnenschutz bilden.
Der neue Theaterbau spiegelt einen modernen Stand der Technik wider, verfolgt gleichzeitig Prinzipien nachhaltigen Bauens und legt besonderen Wert auf inklusive Aspekte.
Die auch von außen sichtbare Holzkonstruktion des Foyers mit ihrem dichten Stützenraster und radial angeordneten Trägern zitiert das berühmte Wiener Riesenrad in unmittelbarer Nachbarschaft und trägt gleichzeitig die nachhaltige Bauweise zur Schau.
Optimierte Konstruktion
Das Bauwerk wird in Hybridbauweise realisiert. Dabei ergänzen sich je nach Nutzungsbereich die jeweils effizientesten Konstruktionsmethoden, darunter Massivbau in Stahlbeton, dort wo aus akustischen und mechanischen Gründen Masse benötigt wird, und Leichtbauelemente als Stahltragwerke im Auditorium, um weite Spannweiten zu überbrücken. Hinzu kommt im Foyer und den vorderen Aufenthaltsbereichen der konstruktive Holzbau, der in Sichtqualität nicht nur zu einem warmen und einladenden Ambiente beiträgt, sondern auch dem ökologischen Anspruch gerecht wird.
Die runde Formgebung unterstützt eine kompakte Ausführung und damit eine thermische Hülle mit optimierter Fläche. Dadurch kann der Energieverbrauch auf konstruktive Art reduziert werden. Die Ausrichtung der Glasfassade nach Norden sowie vorwiegend opake Wandflächen in den nichtrepräsentativen Funktionsbereichen nach Süden fördern den sommerlichen Hitzeschutz. Neben bauphysikalischer Effizienz greift die Gebäudetechnik auf Fernwärme- und -kältenetze der Stadt Wien zurück. Ein Gründach mit Photovoltaikanlange ergänzt das nachhaltige Energiekonzept. Der Außenraum erhält zudem eine reichhaltige Baumbepflanzung und folgt Schwammstadt-Prinzipien, wodurch ein angenehmes Mikroklima mit Schutz vor Hitzeinseln wie auch ein Mehrwert für die Besucher:innen und Anwohner:innen generiert wird.
Das einstige Wiener Theater im heutigen technischen Maßstab
Der flächenoptimierte, sich über Ränge und Balkone in die Höhe entwickelnde Zuschauerraum folgt der bestmöglichen visuellen und akustischen Wirkung und soll eine geringmögliche Nähe zur Bühne generieren. Dabei setzen die Planenden auf eine moderne Interpretation des historischen Wiener Theaters.
Hochmoderne Bühnentechnik sowie Licht- und Audiosteuerung sollen technisch aufwändige Produktionen ermöglichen. Gleichzeitig setzt der Theaterneubau Maßstäbe in Hinblick auf Inklusion und Barrierefreiheit: angefangen von der Besucher:innenführung mit taktilen und sensorischen Elementen über rollstuhlgerechte Garderoben oder eine induktive Höranlage bis hin zu einem „sensory room“, also einem Raum, in dem sensorisch reduzierte Liveübertragungen von hoch sensitiven Zuschauer:innen mitverfolgt werden können.
Die Eröffnung des neuen Musicaltheaters ist im November 2027 geplant. Ab Ende 2026 sollen Details zum Programm der Spielstätte bekanntgegeben werden.