Kunsthochschule ENSAD, Nancy (FR)
Neubau
Auftraggeberin: Communauté Grand Nancy (Solorem)
Standort: F-54000 Nancy, 84 rue Blandan
Architektur: Dietrich Untertrifaller mit Christian Zoméno
Wettbewerb: 2010, 1. Preis
Bauzeit: 2013 – 2016
Fläche: 8.590 m²
Programm: Hörsäle, Werkstätten, Büros und Ausstellungsräume für 320 Studierende
Fotos: Bruno Klomfar
Team
Ulrike Bale-Gabriel (Projektleitung), Andreas Laimer
Text: Gerlinde Jüttner
Fachplanung
Statik, Haustechnik, Elektrik, Bauphysik: Artelia, Schiltigheim
Kosten: Bessère, Toul
Akustik: Venathec, Vandoevre-lès-Nancy
Baumeister: Fayat Bâtiment Lorraine, Metz
Stahlbau: Ateliers Bois et Cie, Chaumont
Quader und Kristall, gläsern verbunden
Der Gebäudekomplex der Kunsthochschule ENSAD bildet den nördlichen Abschluss des Campus ARTEM (ARt, TEchnologie, Management), dem größten Universitätsneubau Frankreichs. Die Kunsthochschule beherbergt alle für die drei Studienrichtungen Kunst, Design und Kommunikation erforderlichen Räume wie Ateliers, Werkstätten und Lehrsäle sowie großzügige Ausstellungsflächen. Der viergeschossige, langgestreckte Quader "Vauban" an der Nordwestseite und der fünfgeschossige, kristallin facettierte "Signalbau" an der Südostseite umschließen mit den beiden gläsernen Verbindungsbauten einen Innenhof.
Die klare räumliche Organisation wird bereits beim Betreten des Gebäudes deutlich. Im dunklen Signalbau befinden sich Ausstellungsflächen, Verwaltung und ein großzügiger Oberlichtsaal im Dachgeschoss. Im niedrigeren Vauban-Bau sind Werkstätten und Ateliers untergebracht. Ein teilweise vom Boden abgehobenes Hörsaalgebäude schließt den Innenhof an der Rückseite ab und leitet zum anschließenden Park über.
Der Signalbau
Die beiden Baukörper unterscheiden sich äußerlich grundsätzlich voneinander: Das mehrfach abgekantete Volumen des Signalbaus ist vollständig in eine Lochblech-Fassade aus braun-schwarzem, eloxierten Aluminium eingehüllt. Die Fenster sind zur Straße hin geschossweise leicht versetzt und verändern zum Park hin allmählich ihre Größe. Diese unregelmäßige Anordnung ist einerseits Resultat der verschiedenen Raumhöhen, folgt aber auch der Logik der Verzerrung des Hauses zu einer kristallinen Form.
Der Vauban-Bau
Die Fassade des quaderförmigen, langgestreckten Vauban Baus ist mit Zementfaserplatten verkleidet und zeigt die regelmäßige Struktur großformatiger, linear angeordneter Fenster. Die erkerartig auskragenden Fensterkästen verleihen der Fassade Plastizität. Bunte Filzvorhänge setzen auf der Innenhofseite attraktive Farbakzente und verbessern die Akustik. Trotz ihres unterschiedlichen Aussehens ist die Tragstruktur der beiden Gebäude ident: Um einen massiven Erschließungskern liegen frei überspannt die mit Gipskartonwänden unterteilten Werkstattplateaus.
Stimulierende Innengestaltung
Von außen sehr kompakt wirkend, überrascht die Kunsthochschule im Inneren durch Weitläufigkeit. Gut belichtete Räume und rohe Materialien – Sichtbeton, Stahl, Holz, Streckmetall oder Holzwolleplatten zur Schallabsorption – bilden einen robusten und stimulierenden Hintergrund für das künstlerische Arbeiten. Für abwechslungsreiche Raumerlebnisse sorgen die unterschiedlichen Geschosshöhen in beiden Gebäuden. Sie reichen von dreieinhalb bis vier Metern im Ateliertrakt, wo sich das Fotostudio mit einem Luftraum sogar über zwei Geschosse erstreckt, bis zum sechs Meter hohen Oberlichtsaal im Dachgeschoß des Signalbaus.
Der transparente Baukörper, der Signalbau und Vauban Bau verbindet, beherbergt eine zweistöckige Eingangshalle mit einer Cafeteria im Obergeschoss.
Die hofseitigen Erschließungsgänge haben wir bewusst nicht als "Gänge" oder enge "Schläuche" konzipiert, sondern als lichtdurchflutete, helle Aufenthaltsräume, die auch für Ausstellungen adaptiert werden können. Sie öffnen sich mit großen Fenstern zum Innenhof, deren tiefe Laibungen aus Brettschichtholz attraktive Sitznischen bilden. Bunte Filzvorhänge setzen attraktive Farbakzente und verbessern die Akustik.
Den Masterplan für den Campus ARTEM auf dem Gelände der ehemaligen Molitor-Kasernen hat Nicolas Michelin erstellt. Eine 300 Meter lange Galerie aus Stahl und Glas wirkt als Schnittstelle zur Stadt und verbindet die einzelnen Universitäten.
Die im Herbst 2016 fertiggestellte ENSAD interpretiert die Vorgaben des Masterplans auf eigenständige Weise. Im Gegensatz zu den anderen, recht farbenfrohen Häusern haben wir eine anthrazitfarbene Verkleidung gewählt, die gut mit den Schieferdächern der benachbarten Kasernen harmoniert.