Hinteralmhaus, Neuberg an der Mürz (AT)
Holzbau, Zirkuläres Bauen

Auftraggeber: Alpenverein Edelweiss
Standort: Hinteralm, Neuberg a.d. Mürz, Steiermark
Architektur: Dietrich Untertrifaller
Wettbewerb: 2023
Bauzeit: 2025 – 2026
Fläche: ca. 300m²
Programm: Ersatzbau mit 30 Betten, barrierefreies Doppelzimmer, Gastraum und Terrasse

Fotos und Pläne: Dietrich Untertrifaller

Team
Tobias Indermühle, Axel Laimer-Liedtke (Projektleitung), Anna Mascher, Julian Roiser (Wettbewerb), Stefan Sammer, Florian Xander (Wettbewerb)

Text: Gerlinde Jüttner

Fachplanung
Statik, Holzbau: Merz Kley Partner, Dornbirn
Haustechnik, Elektro, Akustik : Sima Consulting, Wien
Bauphysik: Hacon Engineering, Oberdorf
Brandschutz: Norbert Rabl Ziviltechniker, Graz
Wassertechnik: D.I. Josef Manfreda, Gaimberg
Vermessung: Bogensberger Vermessung ZT, Wien
Circular Design: materialnomaden, Wien
Schad- und Störstofferkundung: RM Umweltkonsulenten, Wien
Ausschreibung / ÖBA: Arch. Mag. Barbara Fink-Hauer, Wien

Ein sicheres Dach über dem Kopf

Der Alpenverein Edelweiss bezeichnet das Hinteralmhaus als eine der wichtigsten Hütten im Naturpark Mürzer Oberland. Die Positionierung auf dem Almboden und die prägnante Form der alten Hütte bleiben auch im Ersatzbau erhalten. Das Gebäude bereinigt die bestehende Kubatur, ohne Ausrichtung und Proportion der prägnanten Giebelfassade wesentlich zu verändern. Das Hinteralmhaus steht als einziges Gebäude quer zu den restlichen Hütten auf der Alm. Auf diese markante Drehung geht auch der Ersatzbau ein und reagiert mit seiner Lage auf die bestehende Topografie.

Das Gebäude wird in einer Holzmassivbauweise errichtet. Der einfache Aufbau ist mit regenerativen Baumaterialien geplant. Ergänzt wird der Bau mit Baumaterial aus der bestehenden Hütte. Der hohe Vorfertigungsgrad und der Wiederverwertung vorhandener Materialien aus dem Rückbau ermöglicht eine einfache, ökologische und ökonomische Konstruktion.

Sockel, Fuge und Giebel

Der Sockel wird mit Natursteinmauerwerk aus der Region neu aufgebaut. Darüber bildet das zurückweichende Erdgeschoß eine witterungsgeschützte Fuge. Abschließend folgt das weit auskragende, dunkel gehaltene Dach.

Die Giebelflächen sind mit vertikalen Staffelhölzern verkleidet, bestehend aus dunkel lasierten Weißtannen-Holz. Die rautenförmige vorgelagerte Holzstruktur der Giebelfassade zitiert die traditionellen Heuböden und ist ein identitätsstiftendes Alleinstellungsmerkmal des Hinteralmhauses. Farblich bilden PV-Dach, Giebel- und Dachflächenfenster sowie Giebelfassade eine dunkle, zurückhaltende Einheit – das sichere Dach über dem Kopf.

Der Holzbau steht auf dem massiven Sockel aus klinkerreduziertem Ortbeton. Die Durchbrüche der Mittelwand unter dem First ermöglichen den Einbau von Schlafkojen im Dachraum. Auf dieser Wand aus Brettsperrholz liegen auch die beiden Geschoßdecken, ebenfalls auch Brettsperrholz. Als weiterer Vorteil der Holzmassivbauweise bilden die konstruktiven Elemente gleichzeitig sichtbare Fertigoberflächen. Unbehandeltes Fichtenholz wird auch bei allen Innenwänden großzügig eingesetzt.

Fenster und Außentüren werden wie die Fassaden in Lärchenholz ausgeführt, die Möblierung und Untersicht im Gastraum in Weisstanne. Die Möblierung der Zimmer besteht ebennfalls auf Fichte und lehnt sich somit an die Holzkonstruktion an. Der Holzdielenboden der bestehenden Hütte wird ebenfalls wieder verbaut, auch die Sitzbank der alten Stube kann weitergenutzt werden.

Der aus dem massiven Bauteil der alten Hütte gewonnen Recyclingbaustoff wurde vor Ort aufbereitet und wieder verwendet. Der Aushub wurde fachgerecht bewertet und ohne Abtransport vor Ort wieder eingebracht. Damit konnte ein Großteil des Rückbaumaterials weiterverwendet werden.

Der Rückbau des alten Hinteralmhauses

Lageplan
Isometrie
Ansicht
Schnitt