Deutsche Botschaft in Canberra (AU) (AUSTRALIA)
Neubau, Bauen im Bestand, Sanierung, Holzbau, Zirkuläres Bauen

Auftraggeberin: Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Auswärtige Amt (AA)
Standort: 2600 Canberra, 119 Empire Circuit, Yarralumla A.C.T., Australien
Architektur: Dietrich Untertrifaller mit Kieran Fraser Landscape Design
Wettbewerb: 2025, 3. Platz
Programm: Neubau und Sanierung von Kanzlei und Residenz

Visualisierungen und Pläne: Dietrich Untertrifaller

Team: Fredi Botz, Jacqueline Horn, Katharina Makoru, Carlos Antonio Meza Colin, Johanna Richard, Michael Sohm, Annika Steinberger, Larissa Stützle

Text: Gerlinde Jüttner

Fachplanung
Architektur: Architectus, Sidney/Melbourne
Statik: Merz Kley Partner, Dornbirn
Haustechnik, Bauphysik: ARUP Australia, Sydney

Die Deutsche Botschaft in Canberra ist ein Ort der Begegnung und Interaktion, eingebettet in einen riesigen Garten. Der Gebäudekomplex aus den 1950er Jahren besteht aus einer Kanzlei, einer Residenz mit Gästetrakt, Dienstwohnung und Servicetrakt sowie einem ehemaligen Kanzlerwohngebäude. Bauliche Schäden sowie die nicht mehr zeitgemäße technische und nachhaltige Ausführung erfordern den Neubau bzw. die Sanierung von Kanzlei und Residenz.

Unser Leitgedanke

Das Ziel unseres Entwurfes für Residenz und Kanzlei ist es, die Gebäude in den Garten zu integrieren. Wir haben das mensch-zentrierte Weltbild mit dem natur-zentrierten Weltbild verbunden, was sich in unserer Architektur widerspiegelt. Überzeugt hat die Jury, dass „…das Gesamtkonzept Aspekte der Kreislaufwirtschaft berücksichtigt, Teile des Bestandsgebäudes nutzt und weiterentwickelt“. Außerdem seien „die Grundrisse in ihrer Raumanordnung und funktional sehr überzeugend“. Positiv bewertet wurde auch „das freiräumliche Gestaltungskonzept mit intensiver Bepflanzung und neuen Außenräumen mit hoher Aufenthaltsqualität.“

Die Kanzlei

Der Büro-Riegel der neuen Kanzlei entlang der Westseite des Grundstückes schafft eine Pufferzone zwischen Straße und Garten. Der einzige Zugang ermöglicht inszenierte Wegeführungen und eine intensive Interaktion mit der gebauten und gewachsenen Umgebung. Der Holzskelettbau sitzt auf einem Betonsockel, der sich in das Gefälle des Grundstückes einfügt. Das auskragende, extensiv begrünten Dach ist ausschließlich mit nativen australischen Pflanzen bewachsen, die als herabhängende Ranken auch das starke Sonnenlicht filtern. Senkrechte Holzlamellen vor den Balkonen bieten zusätzliche Verschattung. Dies ermöglicht raumhohe Verglasungen und damit den Bezug zum Garten und zur Umgebung.

Im Erdgeschoss der Kanzlei befinden sich das Konsulat und das großzügige, zweigeschossige Foyer sowie weitere öffentliche Nutzungen. Vom Foyer kann man direkt unter die Eukalyptusbäume im dicht bewachsenen Garten treten. Nördlich schließen sich die Verwaltungsbereiche an. Im privaten Garten an der Nordseite können die Botschaftsangestellten ihre Pausen verbringen, sich erholen und mit den Kolleg:innen treffen.

Die Residenz

Der weitläufige Garten verbindet die neue Kanzlei im Westen und die Residenz im Süden Die bestehende Residenz wird größtenteils erhalten und mit Kuben, angelehnt an die Formensprache der 50er Jahre, ergänzt. Alle Dächer werden intensiv begrünt und durch bewachsene Pergolen abgeschlossen. Hier entsteht ein ähnlicher Sonnenlicht-Filter wie bei der Kanzlei, der das Raumklima verbessert und die Schnittstelle zwischen Architektur und Natur aufweicht.

Die Architektur und das Raumprogramm der Residenz orientieren sich an den Abläufen des strikten diplomatischen Protokolls. Ein langes Vordach von der Einfahrt des Grundstücks bis zum Entrée inszeniert den offiziellen Eingang mit der markanten, runden Wand aus Glasbausteinen. Um diese stark formalisierte Situation zu entschärfen und demokratischer zu machen, führt der Eingang am Ende der Prozession nach links in die originale Eingangshalle mit attraktiven Blickbeziehungen zum Garten. Links davon liegt das Speisezimmer, rechts Musikzimmer und Bibliothek. Diese drei Nutzungen bestimmen die Form der Anbauten an den hochwertigen Bestand.

Die nachhaltige Konstruktion

Die Baustoffe der Neubauten – Lehm, Holz, Ziegel, Zellulose, Hanf – sind langlebig und leicht demontierbar. Sie bilden das Fundament einer widerstandsfähigen, flexiblen Baukultur. Die Gebäudehülle ist hochgradig dämmend, dabei atmungsaktiv und feuchtigkeitsregulierend. Die natürliche Verschattung durch begrünte Balkone und vertikale Lamellen reduziert den Kühlbedarf im Sommer. Dank PV-Anlage, kombiniert mit Wärmepumpe und natürlicher Lüftung funktioniert das Gebäude energieautark.  

Der Holzskelettbau der Neubauten ist kein statischer Monolith, sondern ein offenes System und erlaubt Umnutzung und Erweiterung. Das verlängert die Lebensdauer der Materialien – die Struktur ist tragfähig, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Der hohe Vorfertigungsgrads der Elemente optimiert den Bauablauf, reduziert Emissionen (CO₂, Staub, Lärm etc.) auf der Baustelle und erleichtert die Rückbaubarkeit. Unser Entwurf zeigt einen sensiblen Umgang mit Ressourcen und grauer Energie. Der Erhalt des Bestands und die kompakte Bauweise mit nachhaltigen Materialien zeigt einen verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt.

Lageplan
Residenz Grundriss E1
Residenz Ansicht
Kanzlei Grundriss E1

Architektur und Gartengestaltung nehmen immer wieder Blicke zum Galambray, dem Black Mountain auf, mit dem das Volk der Ngunnawal – die ursprünglichen Bewohner des Gebietes – spirituell eng verbunden sind. Das Wort Canberra stammt aus der Sprache der Ngunnawal und bedeutet Versammlungsort. Hierher haben sie ihre Nachbarn zu zeremoniellen Zwecken eingeladen – so wie es in der Deutschen Botschaft noch heute der Fall ist.