Zentrum für Labormedizin, St. Gallen (CH)
New building,

Auftraggeberin: Zentrum für Labormedizin St. Gallen
Verfahrensbetreuung: ERR Raumplaner AG
Architektur: ARGE DIETRICH UNTERTRIFALLER Stäheli Architekten AG, Delta Pods Architects
Wettbewerb: 2025, 2. Preis
Programm: Labor, Büro

Visualisierungen und Pläne: Dietrich Untertrifaller und Delta Pods Architects

Team: Laura Böhmer, Kenta Mabuchi, Peter Nußbaumer, Max Paßgang, Josef Piroddi, Christian Porath, Michael Sohm, Christof Stäheli, Patrick Stremler, Lena Treptow, Elias Weißer

Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung in der Schweiz und eines wachsenden Bedarfs an labormedizinischen Leistungen, lobte das Zentrum für Labormedizin St. Gallen (ZLM) einen selektiven, anonymen Wettbewerb für ein neues Laborgebäude aus. Dieses soll die aktuell auf drei Gebäude verteilten Nutzungsbereiche zusammenführen. Aus 39 Bewerbungen wurden zehn Teams zur Teilnahme eingeladen, wovon wiederum fünf in die Endrunde kamen. Unser in ARGE mit Delta Pods Architects entstandener Beitrag erhielt den 2. Preis.

Es galt, den funktionalen Anforderungen eines Gebäudes für medizinische Analytik ebenso gerecht zu werden, wie einer präzisen architektonischen Setzung im bestehenden Kontext. An prominenter Stelle in St. Gallen, zwischen dem denkmalgeschützten Volksbad – dem ältesten öffentlichen Badehaus der Schweiz – und dem Areal des Kantonsspitals, soll sich das Bauwerk positionieren. Unser Entwurf sieht einen selbstbewussten Solitär vor, der den Auftakt zur baulichen Sequenz des Spitals entlang der Rorschacher Straße bildet. Die umliegende Bebauung ist geprägt von einem Wechselspiel aus straßennahen und rückversetzten Baukörpern – in diesem Kontext besetzt der Neubau exakt die Ecke zur Frohbergstraße und vermittelt zwischen den Maßstäben der Umgebung.

Historisch inspirierte Fassade

Die Fassade unseres Entwurfsvorschlags interpretiert die regionale Holzbautradition auf zeitgemäße Weise. Eine klar strukturierte Holzfassade prägt die Geschosse und vermittelt die Nutzung als Labor- und Bürogebäude. Umlaufende Fensterbänder mit hohem Glasanteil sorgen für eine gleichmäßige Belichtung aller Innenräume und werden lediglich an den Stirnseiten und Treppenhäusern unterbrochen. Die opaken Wandflächen sind als Holzrahmenkonstruktionen mit natürlichen Dämmstoffen konzipiert. Eine hinterlüftete, horizontale Holzschalung bildet dort die äußere Hülle. Die Elementfassade ermöglicht eine wirtschaftliche und rückbaubare Umsetzung.

Die auskragenden Geschossgrenzen sind in Form einer durchgehenden Hohlkehle ausgebildet und dienen neben Textilbespannung als konstruktiver Sonnenschutz. Durch PV-Paneele auf den vorspringenden Vordachschrägen vor den Brüstungen entsteht ein lebendiges Fassadenbild – und gleichzeitig eine Neuinterpretation der für den Kanton typischen, traditionellen Holzbauten.

Flexible Raumkonfiguration

Die beiden unteren Geschosse sind als massiver Betonsockel ausgebildet, der entlang der Frohbergstrasse sukzessive aus dem Gelände herauswächst. Die vertikalen Seilführungen der oberen Geschosse werden hier fortgeführt und dienen als Rankhilfen für eine bodengebundene Begrünung – ein lebendiger Übergang zwischen Architektur und Stadtraum.

Das Gebäude ermöglicht eine hohe Flexibilität, sowohl für unterschiedliche Laborarten als auch für spätere Raumanpassungen oder eine Aufstockung. In Längsrichtung ist es in ein Raster von 7,2 Meter gegliedert. Die Bauweise lässt so unterschiedliche Tiefen und eine asymmetrische Anordnung der Räume zu. Es entstehen mehrere Achsen bis hin zu durchgesteckten Laboren, wobei jederzeit die Durchgangs- und Fluchtwege gewährleistet bleiben.

Erschließung und Gebäudetechnik

Die Erschließung ist so gestaltet, dass verschiedene Funktionen und Nutzergruppen möglichst kreuzungsfrei zueinander angeordnet sind. Aufgrund eines Höhenunterschieds von circa 4 Metern gibt es zwei Eingänge: im Erdgeschoss für Patient:innen und Mitarbeitende sowie im 1. Untergeschoss für Anlieferung und Fahrräder. Beide Eingänge sind als Fassadenausschnitte ausgeführt und springen rund 2 Meter zurück. Dadurch sind sie ohne zusätzliches Vordach vor Wetter geschützt.

Die Energieversorgung wird über Wärmerückgewinnung aus der Kälteproduktion sowie gut exponierten Photovoltaikpaneelen gewährleistet. Die Restversorgung wird über Fernwärme generiert. Zum Konzept gehört eine ausgeklügelte Klima- und Lüftungstechnik, die bedarfsgerecht und energieeffizient ist. Gemeinsam mit Low-Tech-Ansätzen und einem reduziertem Materialkonzept, etwa Geschossdecken mit Hohlkörpern aus Recyclingmaterial, folgt der Entwurf Prinzipien des einfachen Bauens.